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Kein Leben für Einzelgänger -  Der soziale AmeisenstaatBearbeiten

Sieht man irgendwo eine Ameise, dauert es nicht lange, bis man weitere dieser Insekten antrifft. Es wimmelt nahezu von ihnen. Dies liegt daran, dass es sich bei Ameisen um „soziale“ Insekten handelt. Sie leben nicht solitär (als „Einsiedler“), sondern als Gemeinschaft, welche auch als „Volk“ oder „Staat“ bezeichnet wird. Walter Kirchner zählt einige typische Merkmale  des Ameisenstaates als Gemeinschaft (Sozietäten) in seinem Buch „Die Ameisen“ auf: Fick deine Mutter </p>

  • Ein Einzeltier wäre ohne sein Volk nicht über längere Zeit überlebensfähig, was ein einfacher Versucht beweist. Hierzu wird eine einzelne Ameise unter optimalen Lebensbedingungen gehalten. Diese stirbt jedoch nach einer relativ kurzen Zeit. Lebt ein Tier jedoch gemeinsam mit seinem Volk, unter geeigneten Bedingungen, kann es bis zu einem Jahr alt werden.
  • Ein weiteres Merkmal ist, dass die Angehörigen des Staates immer etwas zu einseitigem oder gegenseitigem Nutzen füreinander und nicht nur miteinander tun, wie es bei großen Insektenansammlungen der Fall ist.
  • Ein wichtiger Aspekt, der ein gut funktionierendes Zusammenleben voraussetzt, ist die Arbeitsteilung. Denn nicht alle Mitglieder der Gemeinschaft sollten dasselbe tun. Bei den Ameisen unterscheidet man hier zum einen die Reproduktion für die die Geschlechtstiere zuständig sind und zum anderen sonstige Arbeitsteilungen um die sich die Arbeitstiere kümmern. Hierauf werde ich jedoch später genauer zu sprechen kommen.
  • Ein weiteres Merkmal ist die gemeinsame Brutpflege. Hier wird die Aufzucht der Nachkommen ganz uneigennützig von den Familienmitgliedern übernommen, die aufgrund der zu schwach ausgebildeten Eierstöcke keine eigenen Nachkommen produzieren können.
  • Das letzte Kennzeichen, welches Kirchner aufzählt, ist die Überlappung der verschiedenen Generationen bei solitären Insekten. Durch das unterschiedliche Alter innerhalb des Volkes wird der Gemeinschaft Kontinuität verliehen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für den Fortbestand eines Volkes.
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Insektenarten, die diese Merkmale aufweisen und dadurch eine hochentwickelte Stufe des Zusammenlebens erreicht haben werden auch als „eusozial“ bzw. „staatenbildend“ bezeichnet. Solch eine Form des Zusammenlebens findet sich auch bei Honigbienen, den stachellosen Bienen, Hummeln, Faltenwespen und allen Termitenarten. [1]</p> <p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Betrachtet man die Zusammensetzung der Ameisenstaaten genauer, fällt sofort auf, dass die Individuen, welche wir meistens zu Gesicht bekommen, sehr ähnlich aussehen. Dies liegt daran, dass es sich bei diesen Tieren um Arbeiterinnen handelt, die auch die größte Masse des Ameisenvolkes bilden. Diese wichtigen „Arbeitstiere sind in der Regel sterile Töchter einer oder mehrerer fruchtbarer, eierlegender Mütter, der Königinnen.“ [1] Bei den meisten Ameisenarten gibt es nur eine einzige Königin („Monogynie“). Hierzu gehören auch die von mir untersuchten Schwarzgrauen Wegameisen (Lasius niger). Neben der Monogynie gibt es auch die Oligogynie, bei der sich einige wenige Königinnen innerhalb eines Volkes befinden, und die Polygynie, bei der einige hundert bis einige tausende Königinnen zu finden sind. Typisch für die Ameisenkönigin ist es, dass diese im Inneren des Nestes zu finden sind. Sie sind oft in schwer zugänglichen Kammern anzutreffen, die sie nur bei besonderen Vorkommnissen verlassen, wie zum Beispiel bei einem Nestplatzwechsel.</p> <p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Neben der Stammmutter und den Arbeiterinnen gibt es zu bestimmten Zeiten auch männliche Geschlechtstiere, die sogenannten Männchen. Außerdem sind geflügelte weibliche Geschlechtstiere, die Jungköniginnen, ebenfalls zeitabhängig anzutreffen. Diese beiden Geschlechtstiere sind jedoch nur für kurze Zeit ein Bestandteil des Ameisenvolkes, da sie das Nest an ihrem Hochzeitsflug verlassen werden, um neue Staaten zu gründen. </p> <p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Zu einem Ameisenstaat gehören jedoch nicht nur die adulten Tiere, sondern auch die verschiedenen Jugendstadien. Diese Entwicklungsstadien, welche als Brut bezeichnet wird, bestehen aus Eiern, Larven und Puppen.  [2]</p>

<p class="MsoFootnoteText">[1] Kirchner, 2007, S.13</p> <p class="MsoFootnoteText">[2] Vgl. Kirchner, 2007, S.13-14</p> <p class="MsoNormal" style="text-align: justify; line-height: 150%;">Dies war nur ein grober Überblick darüber, was den Ameisenstaat so besonders und effektiv macht und wie dieser Staat zusammengesetzt ist.</p>


Ordnung und ObrigkeitenBearbeiten

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Beobachtet man Ameisen beim ausführen ihrer Arbeit wird der Eindruck erweckt, dass jedes Individuum ihre bestimmte Aufgabe hat. Sei es das Hereintragen des Futters, die Beschaffung von Nestmaterial oder das Verteidigen des Ameisennestes vor Feinden.</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Da drängt sich schließlich die Frage auf, wer dies alles leitet. Stehen alle Arbeiterinnen unter dem „Befehl“ der Königin?</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Königinnen sind für das Leben eines Volkes von zentraler Bedeutung, da alle anderen Ameisen von ihr abstammen und ohne sie das Volk nicht weiter bestehen kann. Sie sind außerdem in der Lage ihr Volk in gewissem Maße zu beeinflussen, indem sie den Futterstrom auf sich lenkt oder die Arbeiterinnen durch Abgabe bestimmter Stoffe dabei hindert fruchtbar zu werden. Jedoch haben die Königinnen keine Regierungsfunktionen. Ihre Aufgabe ist es lediglich, Eier zu legen, womit sie auch völlig ausgelastet sind, da sie ihre ganze Energie in die Vermehrung stecken müssen.</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Außerdem ist eine Königin, die „eingesperrt“ innerhalb des Nestes ist und keinerlei Wissen über das besitzt, was außerhalb ihres Aufgabenfeldes liegt, sicherlich nicht in der Lage gezielte Arbeitsanweisungen über die zahllosen Situationen zu geben. Zudem würden die gewaltigen intellektuellen Aufgaben, das gerade mal 1mm³ große Gehirn, des kleinen Insektes überfordern. Zusätzlich ist die Region, welches das Sozialverhalten steuert, bei der Königin deutlich weniger entwickelt, als bei ihren Arbeiterinnen.</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Zusammenfassend lässt sich zur Regierung sagen, dass die Königin nicht für das Regieren geschaffen ist und lediglich die Mutter des Volkes ist.</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Doch wie wird das Zusammenleben der Ameisenvölker letztendlich gesteuert?</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Es ist die sinnvolle Zusammenarbeit der Arbeiterinnen, die sie ihrer sozialen Prägung zu verdanken haben. Um dieses Miteinander zu gewährleisten, benötigt das Volk Richtlinien, welche den Handlungsspielraum des einzelnen festlegen, es muss eine Arbeitsteilung zwischen den Individuen einer Gemeinschaft herrschen und es muss die Möglichkeit eines Informationsaustausches zwischen den zahlreichen Individuen geben. [4]</p>

Grundlagen des ZusammenlebensBearbeiten

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Im Folgenden möchte ich näher auf diese Voraussetzungen eingehen und aufzeigen, inwieweit diese gegeben sind, als Grundlagen des Zusammenlebens.</p>

Grundgesetzt“ des Handelns: das Erbgut

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Das Handeln der Ameisen ist zum größten Teil in den Erbanlagen der kleinen Tiere verankert. Vieles was Ameisen tun, wird durch die Gene vorgegeben. Sei es die Ernährungsweise, die Art des Nestbaues, der Zeitpunkt der Brutaufzucht und des Hochzeitsflugs oder der Handlungsspielraum, wie bestimmte Umweltreize beantwortet werden. Körperbau und Verhaltensweisen sind daher erblich fixiert und sinnvoll aufeinander abgestimmt. [5]</p>

Arbeitsteilung

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Ameisen verhalten sich, trotz des Erbgutes ihrer Art, das sie in sich tragen, unterschiedlich. Jedes Individuum hat eine Art „Beruf“, welchen es ausführt. Das Volk hat also eine sehr ausgeprägte Arbeitsteilung. Jedoch gibt es auch hier einige „schwarze Schafe“, die ihre Zeit mit Nichtstun verbringen.</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Interessant ist, dass nicht unbedingt eine Fixierung bestimmter Tätigkeiten vorliegt, sondern viele Individuen üben nebeneinander oder kurzfristig wechselnde mehrere verschiedene Tätigkeiten aus. Meist ist es jedoch so, dass wenn eine Ameise mehrere Aufgaben gleichzeitig ausübt, diese im allgemeinen innerhalb der beiden Haupttätigkeitsbereiche, nämlich Innendienst bzw. Außendienst, bleibt. Bei Waldameisen ist es beispielsweise so, dass die Jungtiere hauptsächlich im Innendienst tätig sind. Erst durch eine morphologisch-physiologische Veränderung im Körper der Arbeiterin, führt zu einem Wechsel zur Außendienst-Tätigkeit. </p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Neben dem Alter gibt es jedoch noch weitere Faktoren, die dafür verantwortlich sind, dass Tiere gleichen Alters auf unterschiedliche Tätigkeiten spezialisiert sind. Ein weiterer dieser Faktoren ist die gestaltliche Ausprägung des Individuums. Hier kommt die bereits benannte Vielgestaltigkeit, der Polymorphismus, nochmals ins Spiel. Hier kann es beispielsweise so sein, dass die Größe, die bei einigen Arten sehr variiert, die Aufgabe der Individuen bestimmt. Fixierungen auf spezielle Tätigkeiten können also auch durch Besonderheiten des Körperbaus einzelner Ameisen zugeordnet werden. </p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Trotz diesen beiden genannten Faktoren, ist noch immer unklar, warum es Arbeiterinnen mit identischem Alter und Gestalt, gibt, die trotzdem unterschiedliche Vorlieben für bestimmte Tätigkeiten haben.</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Individuen sind hinsichtlich ihres Erbgutes nicht völlig identisch. Bei einzelnen Ameisen ist die Neigung, einen bestimmten „Beruf“ auszuüben, bei Individuen unterschiedlich stark ausgeprägt. Diese Veranlagungen spielen bei der Wahl der Tätigkeiten sicherlich eine Rolle. Zusätzlich sind Umweltsituationen von großer Bedeutung. Gerade in Notsituationen, wie ein beschädigtes Nest, veranlasst eine Vielzahl von Arbeiterinnen als Bauhandwerker tätig zu werden, auch wenn sie zuvor andere Aufgaben ausgeübt haben. Gerade die Nichtstuer springen in solchen Ausnahmezuständen sofort ein. Dadurch wird ersichtlich, dass diese ebenfalls eine wichtige Rolle innerhalb des Volkes spielen und keineswegs überflüssig sind.</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Abschließend lässt sich zusammenfassend sagen, dass das Ameisenvolk nur durch eine gut funktionierende Arbeitsteilung existieren kann. Die dafür erforderliche Vielfalt der einzelnen Berufe wird durch folgende Punkte gewährleistet: [6]</p>

<p class="MsoNormalCxSpMiddle" style="margin-left:36.0pt;mso-add-space:auto; text-align:justify;text-indent:-18.0pt;line-height:150%;mso-list:l4 level1 lfo3">-        Altersbedingter Wechsel der Tätigkeit von Innen und Außendienst</p>

<p class="MsoNormalCxSpMiddle" style="margin-left:36.0pt;mso-add-space:auto; text-align:justify;text-indent:-18.0pt;line-height:150%;mso-list:l4 level1 lfo3">-        Morphologische Spezialisierung bestimmter Individuen, die bestimmte Aufgaben dadurch besser erfüllen können</p>

<p class="MsoNormalCxSpMiddle" style="margin-left:36.0pt;mso-add-space:auto; text-align:justify;text-indent:-18.0pt;line-height:150%;mso-list:l4 level1 lfo3">-        Unterschiedliche genetische Ausstattung der Individuen, die sich in verschiedenen starken Neigungen zur Ausübung bestimmter Tätigkeiten äußert</p>

<p class="MsoNormalCxSpMiddle" style="margin-left:36.0pt;mso-add-space:auto; text-align:justify;line-height:150%">-        Fähigkeit der Arbeiterinnen, ihre Tätigkeiten zu wechseln, um den Bedürfnissen des Volkes zu entsprechen[7] </p>

<p class="MsoNormalCxSpMiddle" style="margin-left:36.0pt;mso-add-space:auto; text-align:justify;line-height:150%"></p>

Kooperation durch gegenseitige Verständigung

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Aufgrund der ständig wechselnden Umweltsituationen müssen Ameisen in der Lage sein, sich schnell an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Das ist aber nur möglich, wenn Mitglieder des Ameisennestes diese Veränderungen erkennen und dies anderen mitteilen können. Ist dies geschehen, muss durch die Botschaft ein sinnvolles und gemeinsames Handeln ausgelöst werden. </p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Da Ameisen nicht über verbale Sprache kommunizieren können, wie wir Menschen, nutzen die Tiere zum einen nonverbale Signale, wie die Verständigung durch chemische Signale. Außerdem gibt es auch eine Informationsvermittlung durch bestimmte Bewegungen und durch akustische Botschaften.</p>

chemische VerständigungBearbeiten

<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;text-align:justify;line-height: 150%">Hierbei sondert ein Individuum, welches ein Signal aussenden möchte, einen chemischen Botenstoff aus. Diese abgegebene Substanz, welche in den meisten Fällen als Duftstoff abgegeben wird, wird von einem weiteren Individuum wahrgenommen. Dies führt dazu, dass eine bestimmte Reaktion bei dem zweiten Individuum ausgelöst wird. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch, werden die gerade beschriebenen Stoffe, welche auf diesem Weg Informationen übertragen, als Pheromone bezeichnet. [8]</p>

<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;text-align:justify;line-height: 150%">Die Pheromone werden in bestimmten Drüsen des Körpers einer Ameise gebildet, welche ebenso vielfältig sind, wie die Vielzahl der chemischen Verständigungsmöglichkeiten. Diese Drüsen befinden sich in den verschiedensten Körpereigenen, einschließlich den Beinen. Einige Drüsen sind nur bei bestimmten Arten zu finden, andere wiederrum sind weitverbreitet. Da die Duftsprache der Ameisen nur auf Artgenossen zielt, sind die Wirkung und Zusammensetzung der Sekrete artspezifisch. </p>

<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;text-align:justify;line-height: 150%">Aufgrund der Pheromone sind Ameisen in der Lage, ihre Artgenossen auf Gefahren oder Nahrungsquellen aufmerksam zu machen. Außerdem spielen sie eine wichtige Rolle beim Zueinanderfinden der Geschlechtspartner, da bestimmte Pheromone als Sexuallockstoff dienen.</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;text-indent:35.4pt;line-height: 150%">Weitere Pheromone sind beispielsweise die:</p>

<p class="MsoNormalCxSpMiddle" style="margin-left:36.0pt;mso-add-space:auto; text-align:justify;text-indent:-18.0pt;line-height:150%;mso-list:l0 level1 lfo4">-        Gefahrenalarm-Pheromonen, um Nestgefährten auf Gefahren aufmerksam zu machen und für die Abwehr nötige Aggressionsverhalten auszulösen</p>

<p class="MsoNormalCxSpMiddle" style="margin-left:36.0pt;mso-add-space:auto; text-align:justify;text-indent:-18.0pt;line-height:150%;mso-list:l0 level1 lfo4">-        Beutealarm-Pheromone, um bei der Entdeckung von Beuteobjekten rasch zu handeln, um anderen Konkurrenten zuvorzukommen. Hierbei wird oftmals eine Duftspur gelegt, die anderen Arbeiterinnen als Wegmarkierung dienen.</p>

<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;text-align:justify;line-height: 150%">Aufgrund der Fülle an chemischen Verständigungsweisen, ist es mir an dieser Stelle nicht möglich, weitere Beispiele auszuführen.</p>

<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;text-align:justify;line-height: 150%">Zu sagen ist nur, dass diese Verständigungsart im Sozialleben der Ameisen eine Reihe von Vorteilen mit sich bringt und wichtig für das Wohl des Nestes ist. </p>

<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;text-align:justify;line-height: 150%">Aufgrund dieser Signalübertragung werden gleichzeitig mehrere Individuen erreicht, sie funktionieren auch bei Dunkelheit und sie wirken vielfach über eine gewisse Distanz. Pheromone können je nach Verwendungszweck als kurzfristige (Gefahrenalarm) oder langfristige (Spurstoffe) Signalübertragung dienen. </p>

<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;text-align:justify;line-height: 150%">Neben den genannten Vorteilen, gibt es jedoch auch einige Nachteile dieser Informationsvermittlung. Diese kann beispielsweise durch den Wind beeinflusst werden. Außerdem sind Duftstoffe auch nicht in der Lage, durch sehr feste Kammerwände im Nest durchzudringen. [9]</p>

Verständigung durch bestimmte VerhaltensweisenBearbeiten

<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;text-align:justify;line-height: 150%">Ameisen nutzen, wie wir Menschen, bestimmte Gebärden oder Zeichen, um Botschaften zu übermitteln. Diese Art von Verständigung nutzen Ameisen beispielsweise dann, wenn sie um Futter betteln oder wenn sie Artgenossen veranlassen wollen, zu einer neuen Futterquelle oder einem besseren Nestplatz mitzukommen. Die Übermittlung einer Botschaft, läuft in den meisten Fällen ähnlich ab. Während einem mehr oder weniger engem Körperkontakt zu einem Artgenossen, werden bestimmte Bewegungen ausgeführt, wodurch bei dem Partner eine bestimmte Reaktion ausgelöst wird.</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;text-indent:35.4pt;line-height: 150%">Beispiele für solch eine Botschaften Übermittlung sind:</p>

<p class="MsoNormalCxSpMiddle" style="margin-left:36.0pt;mso-add-space:auto; text-align:justify;text-indent:-18.0pt;line-height:150%;mso-list:l3 level1 lfo5">-        das Futterverhalten. Dabei streichelt eine hungrige Ameise einer Futterholerin durch rasche Fühlerschläge und gleichzeitigem Streicheln an deren Vorderbeine an der Mundregion. Die Futterholerin wird durch dieses Verhalten dazu gebracht nährstoffhaltige Flüssigkeit austreten zu lassen.</p>

<p class="MsoNormalCxSpMiddle" style="margin-left:36.0pt;mso-add-space:auto; text-align:justify;text-indent:-18.0pt;line-height:150%;mso-list:l3 level1 lfo5">-        die Anwerbung von Artgenossen zum Nestumzug. Hat eine Ameise ein passenden neues Nest gefunden, rempelt diese einen Nestgefährten im alten zuhause an, wodurch diese eine Haltung einnimmt, die zum Tragen günstig ist. Anschließend wird sie zum neuen Nestplatz getragen, wo sie sich über die Qualität der neuen Heimat überzeugen kann. Ist diese damit einverstanden, kehrt sie ebenfalls ins alte Nest zurück, wo sich der Vorgang immer wieder wiederholt. [10]</p>

<p class="MsoNormalCxSpMiddle" style="margin-left:36.0pt;mso-add-space:auto; text-align:justify;text-indent:-18.0pt;line-height:150%;mso-list:l3 level1 lfo5">-        der Tandem-Lauf. Die Vorteile dieser Verständigung ist, dass durch bestimmte Bewegungen eine gerichtete Informationsübertragung auf einzelne Artgenossen möglich ist. Dies ist bei chemischen Signalsoffen nicht der Fall, da diese mehr auf Breitenwirkung zielen. Bei dieser Art der Kommunikation laufen zwei Ameisen in engem Kontakt durch das Gelände. Die ortskundige Ameise läuft vorneweg, während hinter ihr ein Nestgenosse läuft, der nicht mit dem Ziel vertraut ist. „Die hinten befindliche Ameise hält über ihre Fühler mit dem Hinterleib der Führerin ständig Kontakt; reißt dieser Kontakt aus irgendwelchen Gründen ab, lässt die Führerin aus ihrem Stachel ein Sekret austreten; das entstehende Duftfeld lockt die verlorene Nachläuferin an und ermöglicht so eine Wiederherstellung des taktilen Kontaktes.“ [11]</p>

<p class="MsoNormalCxSpMiddle" style="margin-left:36.0pt;mso-add-space:auto; text-align:justify;line-height:150%">Dieser Tandem-Lauf kann bei Nestumzügen oder beim Hinführen zu Futterquellen beobachtet werden. [12]</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;text-indent:35.4pt;line-height: 150%"> </p>

akustische VerständigungBearbeiten

<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;text-align:justify;line-height: 150%">Viele Ameisenarten sind in der Lage Geräusche durch Klopf-, Trommel- oder Zirplaute zu erzeugen. Verwunderlich ist hierbei, dass diese Tiere nicht über Gehörsinnesorgane verfügen, die auf Luftschwingungen ansprechen. Sie nehmen die Lautäußerungen lediglich als feine Vibrationen des Untergrundes auf, auf dem sie laufen. Mit Hilfe von leistungsfähigen Sinnesorganen, die in den Beinen der Ameisen liegen, sind sie in der Lage die Vibrationen zu erkennen.</p>

<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;text-align:justify;line-height: 150%">Klopf- und Trommellaute werden dadurch erzeugt, dass die Ameisen bestimmte Körperteile, wie Kopf oder Hinterleib, rhythmisch aufeinanderschlagen. Gerade bei rasch erforderlichem Handeln ist diese Art der Kommunikation vorteilhaft, ebenso bei sehr stabilen Nestkammern, welche undurchlässig für chemische Signale sind.</p>

<p class="MsoNormal" style="margin-left:35.4pt;text-align:justify;line-height: 150%">Zirplaute werden von Ameisen durch Stridulationsorgane erzeugt. „Stridulationsorgane sind morphologische Strukturen der Körperoberfläche, die meist im vorderen, oberen Bereich des Hinterleibs liegen; sie funktionieren im Prinzip so, dass ein Dorn oder eine scharfe Kante über eine gerillte Platte gezogen wird; die dabei entstehenden Zirplautgeräusche sind für das menschliche Ohr nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen hörbar.“ [13] Diese Kommunikationsform wird vor allem bei Gefahrensituationen angewandt oder als zusätzlich Verstärkung chemischer Signale. [14]</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die die Kooperation durch Verständigung und die Arbeitsteilung innerhalb des Volkes Grundlage des geordneten Zusammenlebens innerhalb eines Ameisenstaates darstellt.</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Die Arbeitsteilung beruht auf der Existenz zweier Kasten. Die der Königin, welche für die Erzeugung der Nachkommen verantwortlich ist und die der Arbeiterinnen, die für die Brutaufzucht und alle anderen Arbeiterinnen zuständig sind.</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Innerhalb dieser Arbeiterinnenkasten kann es zu Unterkasten kommen, die sich durch weitere gestaltliche Differenzierungen hervorheben. Diese bestimmt die Tätigkeiten der Individuen. Zusätzlich wird dies auch noch durch Alter, individuelle Neigungen und den Bedarf des Volkes an Arbeitskräften beeinflusst.</p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Für die Zusammenarbeit untereinander haben Ameisen eine Vielzahl von Verständigungsmöglichkeiten entwickelt. Hierzu zählen beispielsweise die chemischen Signale oder auch bestimmte Verhaltensweisen und akustische Signale. </p>

<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:150%">Durch diese Verhaltensweisen wird klar, dass nur das Ameisenvolk in seiner Gesamtheit mit seinen zahllosen Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Individuen darüber vermag eine koordinierte Zusammenarbeit zu leisten. In der wissenschaftlichen Literatur wird der Ameisenstaat daher auch als „Superorganismus“ bezeichnet. [15]</p>


<p class="MsoFootnoteText">[1] Vgl. Kirchner, 2007, S.9-11</p> <p class="MsoFootnoteText">[2] Kirchner, 2007, S.13</p> <p class="MsoFootnoteText">[3] Vgl. Kirchner, 2007, S.13-14</p> <p class="MsoFootnoteText">[4] Vgl. Kirchner, 2007, S.63-66</p> <p class="MsoFootnoteText">[5] Vgl. Kirchner, 2007, S.66</p> <p class="MsoFootnoteText">[6] Vgl. Kirchner, 2007, S.66-69</p> <p class="MsoFootnoteText">[7] Vgl. Kirchner, 2007, S.70</p> <p class="MsoFootnoteText">[8] Vgl. Kirchner, 2007, S.71</p> <p class="MsoFootnoteText">[9] Vgl. Kirchner, 2007, S.71-73</p> <p class="MsoFootnoteText">[10] Vgl. Kirchner, 2007, S.74</p> <p class="MsoFootnoteText">[11] Kirchner, 2007, S.75</p> <p class="MsoFootnoteText">[12] Vgl. Kirchner, 2007, S.75</p> <p class="MsoFootnoteText">[13] Kirchner, 2007, S.76</p> <p class="MsoFootnoteText">[14] Vgl. Kirchner, 2007, S.76</p> <p class="MsoFootnoteText">[15] Vgl. Kirchner, 2007, S.77-78</p>

Weblinks